Freitag, 21. November 2014

Unser täglich Brot.

Schon seit einiger Zeit, eigentlich seit ich Christ geworden bin, versuche ich immer mal wieder in meiner Familie einzuführen, dass vor dem Essen gebetet wird. Warum? Nicht, weil alle das so machen, obwohl vielleicht ein bisschen schon, sondern weil ich es gut finde, sich vor dem Essen bewusst zu machen, wofür man dankbar ist. Und weil ich meinen Kindern auch gern ein bisschen Tradition mit auf den Weg geben möchte.

Aber irgendwie gelingt es uns nicht, das auch regelmäßig zu tun und nach einigen Tagen fallen wir immer in unser altes gebetsloses, um nicht zu sagen undankbares Muster zurück.

Anfangs haben wir reihum jeder etwas genannt, wofür wir dankbar waren. Dann bastelte ich mit den Kindern einen Gebetswürfel und wir sangen oder sagten einen Reim auf vor dem Essen, aber als meine Tochter den zerstörte, hörte auch das auf. Anschließend sangen wir die Lieder, die wir im Mutti-Kind-Kreis vor dem Essen singen, aber auch das nur sporadisch. Irgendwie fanden wir nicht in eine Gebetstradition. 

Ich fand das nicht so schlimm. Ich dachte mir, ich bete einfach, wenn es mir einfällt. Gott möchte, dass ich frei bin, also auch frei ihm zu danken, wenn ich möchte und nicht, wenn ich es "muss".

Aber es fiel mir nur selten ein und manchmal tat ich es dann trotzdem nicht, weil das Essen schon im vollen Gange war und ich es nicht für wichtig hielt.

Das arbeitete in mir und ich fragte mich, warum mir das Dankbarsein so selten einfiel. Die Antwort war ernüchternd. Ich empfand schlicht und einfach keine Dankbarkeit. Es gab schon Situationen, in denen ich dankbar war und dann dankte ich Gott auch sofort, aber mein "täglich Brot" empfand ich als selbstverständlich, könnte man sagen. Das ärgerte mich. Ich weiß um die Not in der Welt und kann trotzdem nicht dankbar sein, für das, was ich habe - jedenfalls nicht dankbar genug um wenigstens einmal am Tag Gott dafür zu danken?! 
Aber wie sollte ich das ändern? Das konnte ich nicht von mir aus, also bat ich Gott mir diese Dankbarkeit zu schenken, mir bewusst zu machen, wie gut es mir geht.

Irgendwie hatte ich erwartet, dass die Antwort auf dieses Gebet einfach ein Gefühl der Dankbarkeit wäre, was sich einstellt, aber Gott hat es cleverer angestellt und ehrlich gesagt, kann ich nur immer wieder staunen, wie er das macht.
Wir haben uns vor kurzem ein neues Auto gekauft, weil es mit 3 Kindern in einem 4-Sitzer mit einem zusätzlichen "Notsitz" doch etwas eng wurde. Eine finanzielle Belastung, die wir uns im Moment durchaus zutrauen, auch wenn sparsame Haushaltsführung nicht gerade unsere Stärke ist.
Es kam, wie es kommen musste und aus Schusseligkeit mussten wir diesen Monat zwei der Raten für unser Auto bezahlen, hinzu kamen diverse andere Rechnungen, die sich schon eine Weile angesammelt hatten und plötzlich sah es schon am 10. des Monats ziemlich kritisch aus auf unserem Konto. Es waren nicht nur keine großen Sprünge mehr drin, ich machte mir ernsthaft Sorgen, wie wir es schaffen sollten bis zum Ende des Monats immer etwas zum Essen auf dem Tisch zu haben, ohne mir von jemandem Geld leihen zu müssen.
Also betete ich. Ich betete zu Gott, dass ich alle offenen Rechnungen begleichen würde, er aber im Gegenzug ein Wunder vollbringen müsste und dafür Sorge tragen, dass wir über den Monat kommen.
Bisher ist kein Wunder geschehen. Jedenfalls keines mit dem ich gerechnet habe, aber eines mit dem ich nicht gerechnet habe: Ich bete jeden Tag, dass Gott uns für den Rest des Monats versorgt und er tut es. Und plötzlich kann ich dafür dankbar sein. In den letzten Tagen habe ich wie von selbst vor oder bei jedem Essen den Drang verspürt Gott zu danken. Ich mach mir immer noch Sorgen, wie es nächste Woche wird, aber ich konzentriere mich erstmal auf heute.

Jesus sagte: 
"Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? oder: Was werden wir trinken? oder: Womit werden wir uns kleiden? Denn nach allen diesen Dingen trachten die Heiden, aber euer himmlischer Vater weiß, daß ihr das alles benötigt. Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden! Darum sollt ihr euch nicht sorgen um den morgigen Tag; denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Jedem Tag genügt seine eigene Plage." (Matthäus 6,31-34)

Ich vertraue Gott und hoffe das Beste. Er erhört meine Gebete. Ich bat um Dankbarkeit und er gab sie mir. Gott hat mir bewusst gemacht, wie leicht Wohlstand uns von ihm trennt und uns den Blick für seine Gnade trübt.

Danke Vater, dass Du Meine Familie und Mich versorgst. Danke, dass Du Mein Vertrauen stärkst und danke, dass Du Gebete nicht so erhörst, wie wir es wollen, sondern so, wie wir es brauchen!
AMEN.


Anmerkung: In den letzten 3 Wochen hatten wir einen LIDL-Gutschein im Briefkasten und eine Freundin hat uns einfach so eine Tüte voller leckerer Lebensmittel vorbei gebracht. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar! Und ich bitte Gott auch, dass er unsere Wohltäter reich segnen wird!
Ich möchte aber trotzdem gern noch betonen, dass das nicht die Intention meines Posts war. Ich wollte lediglich sagen, dass Gott Gebete erhört und wir ihm wirklich vertrauen dürfen!:)

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