Donnerstag, 11. Dezember 2014

Mein Kreuz.

Es gibt einen Film: Not a Fan. In dem geht es darum, Jesus nachzufolgen und nicht nur das Gute des Glaubens mitzunehmen. 

"Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach!"(Lukas 9,23)

Und so habe ich mich nach diesem Film gefragt: Was kann ich tun? Wo kann ich mein Kreuz auf mich nehmen mit Gottes Hilfe. Es ist ähnlich, wie die Sache mit der Dankbarkeit vor dem Essen, über die ich letztens geschrieben habe. Oft sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich suche und suche, was ich für Gott tun kann und vergesse dabei, dass ich nichts tun kann. Was Gott uns durch Jesus Christus geschenkt hat, ist vor allem Freiheit! Gott möchte, dass wir frei sind. 
Allzu oft vergesse ich das. Ich muss mir das immer wieder bewusst machen. Das ganze Leben ist so von Leistungen abhängig, dass dieses unverdiente Geschenk, diese Gnade, dass sie im Alltag einfach immer wieder verschwimmt. 
Das Einzige, was ich tun kann, und zwar für mich, nicht für Gott, ist, an ihm dran zu bleiben.
Manchmal gibt es Situationen, wo ich hinterher denke " Hättest du mal Gott ins Spiel gebracht!" und ja, manchmal frag ich mich auch, wie ich diese Situation dann mal vor Jesus rechtfertigen soll, wenn es soweit ist.
Er sagt, nehmt euer Kreuz auf euch und ich tue es oft nicht. Manchmal bin ich unsicher, manchmal hab ich Angst... 
Aber erst letzten Sonntag wieder hat mir Gott bewusst gemacht,dass ich mich nicht zu fürchten brauche. Er sieht mein Herz. Er sieht, wo ich das Kreuz wirklich trage und er trägt mich. 
Eine Freundin sagte, sie glaube, manchmal ist es schwerer, wenn man sich erst als Erwachsener bekehrt. Wenn man da hinein wächst, hat man oft auch ein christlich geprägtes Umfeld. Das hab ich nicht. Meine Eltern glauben nicht an Jesus, die meisten meiner Freunde auch nicht, nicht einmal mein Mann. Und so sehr ich darauf vertraue, dass Gott ihnen die Erkenntnis seiner Gegenwart noch schenken wird, so schwer ist es manchmal auch, darauf zu warten. Es ist nicht leicht, nur selten frei reden zu können. Gott ist nicht nur ein Stück aus meiner Lebenstorte, er ist der Boden. 
Ich hatte schon mal erwähnt, dass eine Freundin mir mal erzählte, dass sie mittlerweile keine nicht-christlichen Freunde mehr hat. Nicht, weil alle sich bekehrt haben ,sondern weil ihr Glaube diese Freundschaften entzweit hat. Aber das ist nicht das, was ich will. Ich will meine Freunde behalten UND ich will auch bei Gott sein. Es bedeutet für mich ein großes Opfer, ein hohes Maß an Geduld und viel Vertrauen diese Freundschaften aufrecht zu erhalten, denn ich fühle mich in diesen Beziehungen momentan nicht mehr wirklich frei. Ich klammere meinen "Boden" immer aus. Ich rede bewusst nicht über Gott, um niemanden zu drängen und dabei liebe ich es, über Gott zu reden. Ich wünsche mir so sehr, ich könnte mit meinem Mann auch über Gott reden. Ich meine, ich rede mit ihm über Gott, recht oft sogar, aber für ihn ist es ein abstraktes Gedankenkonstrukt, für mich ist es die Grundlage meiner Welt.
Ich trage mein Kreuz. Ganz unbewusst. Und fest steht: Ohne Gott könnte ich es nicht. Ich muss ihm vertrauen, dass es die Sache wert ist. Dass ich nicht umsonst festhalte. 
Kurz nach meiner Bekehrung hab ich mal für mich beten lassen und es gab ein Bild: ich bin ein Licht in "meiner " Welt, Licht in meiner Familie, Licht im meinem Freundeskreis und ich dachte: Klar,ich bin ja der einzige Christ dort, ich erzähl allen von Gott und fertig. Jesus sagt ja auch:

"Ihr seid das Licht der Welt." (Matthäus 5,14)

Aber so einfach ist es nicht. Es dauert.
Ja, ich bin das Licht, aber es ist auch eine große Verantwortung, eine Bürde, mein Kreuz. Natürlich, wenn ich aufgebe, schickt Gott jemand anderen, aber Gott ist bei mir. Ich denke nicht daran auch nur eine dieser Beziehungen aufzugeben. Es geht mir persönlich gar nicht so sehr darum, alle in meinem Umkreis zu bekehren, es geht darum meine Beziehungen zu retten. Aber ich bin voller Zuversicht, voller Vertrauen, voller Kraft. 
Gott mutet uns nichts zu,was wir nicht (mit seiner Hilfe) tragen können. - Ich weiß jetzt,was das bedeutet und es ist paradox, wie man so machtlos und doch so kraft - und vertrauensvoll zur gleichen Zeit sein kann. 

Ich liebe Gott! Wirklich! Aus tiefstem Herzen! Ihn zu finden, ist das Beste, was mir je passiert ist! Und er wird es (am Ende alles) gut machen!
Danke, mein Vater! 

AMEN.