Sonntag, 21. Februar 2016

Gebet und Fasten - Tag 4

Heute mal ein paar Bibelstellen zum Thema Fasten:
Heute früh erst in der Messe gehört Jona,3, 4-10:

"Und Jona fing an, eine Tagereise weit in die Stadt hineinzugehen, und predigte und sprach: Noch vierzig Tage, und Ninive wird zerstört! Und die Leute von Ninive glaubten Gott und riefen ein Fasten aus und legten Säcke an, vom Größten bis zum Kleinsten. Und das Wort gelangte bis zum König von Ninive; der stand von seinem Throne auf, legte seinen Mantel von sich, hüllte sich in einen Sack und setzte sich in die Asche. Und er ließ ausrufen und sagen zu Ninive: «Auf Befehl des Königs und seiner Großen: Menschen und Vieh, Rinder und Schafe sollen nichts genießen, sie sollen weder weiden noch Wasser trinken; sondern Menschen und Vieh sollen sich in Säcke hüllen und mit Macht zu Gott rufen und sollen sich abwenden, ein jeder von seinem bösen Wege und von dem Unrecht, das an seinen Händen klebt! Wer weiß, Gott könnte andern Sinnes werden, es sich gereuen lassen und abstehen von seinem grimmigen Zorn, so daß wir nicht untergehen!» Da nun Gott ihre Taten sah, daß sie sich abwandten von ihren bösen Wegen, reute ihn das Übel, das er ihnen angedroht hatte, und er tat es nicht."

So gibt es in der Bibel zahlreiche Stellen, wo Könige Fasten ausrufen, um ihr Reich vor Unheil zu bewahren. Hier bei Jona ist es das drohende Gericht Gottes. An anderen Stellen wird vor einer großen Schlacht gefastet.
Jesus bspw wurde vom Heiligen Geist vorbereitend für seinen Dienst an den Menschen zum Fasten in die Wüste geschickt und fastete dann auch nochmal um sich auf sein Opfer vorzubereiten.
Fasten kann also vielseitig eingesetzt werden, aber immer dient es der Rückbesinnung auf Gott.
Johannes Hartl meint in seinem Buch "In meinem Herzen Feuer", dass Fasten uns zeigt, welche Bedürfnisse wir mit Essen befriedigen: Neben Hunger suchen wir im Essen Trost, Belohnung, Ruhe... Das alles fällt quasi weg, wenn wir nichts essen und es zieht uns wieder zu Gott, weil uns klar wird, das er derjenige ist, der diese Bedürfnisse befriedigen kann.
Es ist gut Essen zu genießen und es ist gut Gott dafür zu danken,  aber es ist nicht gut, dass wir im Essen Dinge suchen, die wir eigentlich bei Gott suchen sollten.
Es scheint für mich kein Wunder mehr, dass es soviele übergewichtige Leute gibt, es gibt ja auch soviele Leute, die Gott nicht kennen.
Und so langsam dämmert mir, was Jesus damit meint, wenn er sagt:
"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht! " (Mt 4,4)
Er sagt nicht nur, wir können auch mal ohne Essen auskommen. Vielmehr sagt er, alles, was wir mit Essen versuchen zu befriedigen, sind Dinge,  die wir von Gott bekommen.
Vielleicht reflektiere ich das Essen mehr, wenn das Fasten beendet ist. Wie oft hab ich mich nach einem anstrengenden Tag aufs Sofa gesetzt und Süßigkeiten gegessen, in der Annahme, dass ich das jetzt wirklich verdient hätte und auch bräuchte. Und wie falsch lag ich damit vermutlich? War es nicht vielmehr Gott, den ich da brauchte?

Ich sehe auf jeden Fall, dass ich gerade nichts von all dem Essen brauche und es geht mir mitnichten schlechter. Vielleicht bin ich sogar ausgeglichener? Das wird sich natürlich erst zeigen, wenn ich wieder in meinem Alltag angekommen bin.
Im Moment fühl ich mich wie in einer großen Blase. Es gibt hier im Kloster nur Gott. Ich beschäftige mich mit nichts anderem, als nur Gott. Trotzdem fühl ich ihn hier nicht so, wie ich es erwartet habe.
Ich hatte gehofft, seine Gegenwart wird hier richtig krass erfahrbar, aber so ist es bisher nicht. Bisher erfahre ich eher mich selbst und was ich so treibe, wenn ich nur mit mir bin.
Wie hat das wohl Johannes der Täufer gemacht? Der hat doch sein ganzes Leben in der Wüste verbracht.
Mein Gefühl ist: Ich brauch die Gemeinschaft und ich brauch es Liebe zu geben und sicherlich auch zu empfangen um Gott zu spüren, aber Johannes hatte keine Gemeinschaft und ich glaube, er war trotzdem sehr verbunden mit Gott.
Vielleicht erwarte ich aber auch zuviel... Kann man zuviel von Gott erwarten?  Wohl eher nicht. Der Herr verspricht in Jesaja 58, 8-11:

"Alsdann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird rasche Fortschritte machen; deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deine Nachhut sein! Dann wirst du rufen, und der HERR wird antworten; du wirst schreien, und er wird sagen: Hier bin ich! Wenn du das Joch aus deiner Mitte hinweg tust, das Fingerzeigen und das unheilvolle Reden lässest; wenn du dem Hungrigen dein Brot darreichst und die verschmachtende Seele sättigst; alsdann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag! Der HERR wird dich ohne Unterlaß leiten und deine Seele in der Dürre sättigen und deine Gebeine stärken; du wirst sein wie ein wohlbewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, deren Wasser niemals versiegen."

Das alles verspricht Gott dem, der gottgefällig fastet. Er erläutert vorneweg auch, was gottgefälliges Fasten ist:
Nicht, dass wir Fasten, den Kopf hängen lassen und unseren normalen (unrechten) Geschäften nachgehen, sondern dass wir uns nicht nur beim Essen beschneiden, sondern gleichzeitig auch unserer Seele Einhalt gebieten,  uns nicht nur um uns drehen, sondern um die Bedürftigen, die, die offensichtlich Hilfe brauchen. Das ist Fasten, wie es Gott gefällt und das ist Fasten, welches auch  persönlichen Segen bringt: Wegzuschauen von sich selbst hin zu anderen. Das Clevere daran ist, ich glaube, Gott hat das Fasten mit Absicht so eingerichtet, dass eben das automatisch passiert.
Vor allem bei einem längeren Fasten ist es unabdingbar von sich weg zu schauen, denn wenn man die ganze Zeit auf sich und seinen Hunger schaut, dann kann man es nicht durchhalten, glaube ich.
Hier im Kloster empfinde ich das ganz stark. Ich hab zwar viel Zeit für mich, aber ich Investiere sie nicht in mich. Ich schaue auf Gott und so ist es vielleicht nicht verwunderlich,  dass ich nahezu keinen Hunger empfinde.
Mich hungert es nach Gott und seiner spürbaren Gegenwart und ich bete, dass er das in dieser Zeit noch frei setzt. Ich weiß, er ist da, aber ich möchte es so gern auch spüren - ganzheitlich!
Vater, ich bitte dich, schenke mir diese ganzheitliche Offenbarung deiner Gegenwart. Du weißt, ich bin ein Mensch und ich kann nicht ewig zerren nur von dem WISSEN, dass du da bist. Ich kann nicht und ich will nicht!
AMEN

Edit: Heute hab ich wirklich viel Zeit im Lobpreis verbracht und ich ahne, was es bedeutet, dass Gott im Lobpreis thront.
Ich werde das die nächsten Tag bewusst noch mehr einbauen.

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