Montag, 22. Februar 2016

Gebet und Fasten - Tag 9

Ich dachte ja, die Krise wäre vorbei, aber tatsächlich kam gestern Abend die eigentliche Krise. Zugegeben,  ich war ziemlich erschöpft, wirklich sehr sehr erschöpft, da mein üblicher Mittagsschlaf ausgeblieben war und ich kam sehr ins Zweifeln. Dazu kam, dass, obwohl die Schmerzen in der Nacht (und auch schonmal kurz in der Nacht vorneweg)  nicht unerträglich waren, ich Angst hatte, noch so eine Nacht durchmachen zu müssen. Und plötzlich machte alles auch keinen Sinn mehr. Gehören Gebet und Fasten nicht zusammen? Und wenn ich im Alltag schlichtweg nicht die Zeit finde, in dem Maße zu beten, wie ich es im Kloster getan habe,  vom Lobpreis mal ganz zu schweigen, was sollte dieses Fasten dann noch bringen? Und was für ein gottgefälliges Fasten wäre das, wenn ich auf 50% Energie mit meiner Familie umgehen müsste,  was effektiv heißt, dass ich sie zwar versorgen kann, aber keinen Nerv für sie habe. Hat mir diese eine Woche im Kloster nicht schon soviel gebracht, dass ich es vielleicht auch einfach gut sein lassen könnte? Aber hatte nicht Gott mir dieses Fasten aufgetragen? 40 Tage lang? Oder hab ich am Ende selber beschlossen,  wie lange ich das durchziehen will?
Ich war echt am Ende. Ganz plötzlich. Keine Spur davon den ganzen Tag, aber abends im Bett brach es über mich herein. Obwohl ich für gewöhnlich nichts davon halte, Deals mit Gott zu machen, weil ich das irgendwie für unangemessen halte, schlug ich Gott folgendes vor: Ich wusste,noch so eine Nacht geht nicht und ao sagte ich ihm, ich würde dieses Fasten am nächsten Tag brechen, wenn diese Schmerzen wiederkehren sollten. Und ich meinte es bitter ernst. So ernst, dass ich schon fühlte, wie die Schmerzen wieder hoch kamen. So ernst, dass ich mich darüber informierte, wie man das Fasten bricht. So ernst, dass ich eigentlich schon aufgegeben hatte.
Aber Gott... Aber Gott, er hat mich nicht aufgegeben. Er gibt mich nie auf! Und was soll ich sagen: Obwohl ich diese Nacht echt wenig geschlafen habe, weil unser jüngstes Kind, dass noch bei uns im Bett schläft, unbedingt mit  seinen kleinen Händchen die ganze Nacht an mir rumfummeln musste - ARGH!, hatte ich nicht die geringsten Schmerzen und obwohl ich gestern abend schon beschlossen hatte, das Fasten zu beenden, war ich heute früh so voller Energie und so ermutigt,  dass ich nicht einfach aufgeben konnte, dass ich nicht aufgeben kann! Und ich faste weiter. Einen Tag nach dem anderen. Ich weiß nicht mehr, ob es 40 Tage werden, aber es werden soviele Tage, wie es werden müssen ;)
Ich bin Gott sehr dankbar, dass er größer ist. Größer als jede Angst, größer als jeder Zweifel und weiser als die ganze Menschheit zusammen. Wer außer ihm konnte wissen, dass es diese Sonntagssuppe braucht um diese Schmerzen zu beseitigen?
Ich glaube, das ist auch die Art, wie Fasten den Glauben stärkt.

Etwas zum Thema Essen:
Obwohl ich jetzt ständig mit Essen konfrontiert bin, weil ich ja nunmal hier zuhause dafür zuständig bin, fällt es mir prinzipiell nicht schwer, nicht in Alles zu beißen, was vor mir steht. Der Grund dafür stammt noch aus meiner ersten Fastenerfahrung. Damals "nur" 10 Tage und vor allem als Nichtchrist, habe ich zum Fastenbrechen einen Chilicheeseburger gegessen, weil ich einfach nicht widerstehen konnte. Das hatte sehr fatale Folgen und das habe ich noch sehr präsent. Wer das Essen nicht mit der gleichen Sorgfalt wieder einführt, wie er das Fasten betrieben hat,bei dem wird es sich auf verschiedenste Weise rächen. Nicht nur, dass mit fiesen Bauchschmerzen zu rechnen ist, die gepurzelten Pfunde bzw. Kilos (und das sind bei mir bisher 7kg in 7 Tagen!!) werden wohl auch ganz schnell wieder dort sein, wo sie gerade weggeschmolzen sind und wie schade wäre es, diesen positiven Aspekt zu verachten?
Geistig geht sicherlich nicht allzuviel verloren, aber es ist ja auch ziemlich doof, wenn das Fastenbrechen dann so unangenehm ist, dass es die ganze Fastenerfahrung in ein negatives Bild rückt...  Das nur am Rande. Ich hoffe und bete, dass ich noch nicht fertig bin,denn eigentlich gehts ja grad erst los;)
(Jetzt muss ich erstmal essen machen. Später vielleicht noch was zum Thema soziale Kontakte...)

Schnell noch was zum Thema Soziale Kontakte,bevor der Tag schon wieder vorbei ist. Jeder mag das sehen, wie er will, aber ich persönlich werde mich in nächster Zeit etwas rar machen. Für mich geht es beim Fasten vor allem darum mich zurück zu ziehen und auf Gott zu besinnen. Es ist quasi etwas persönliches. Und obwohl ich auch durchaus den Vers aus, ich glaube Jesaja, im Kopf habe, wo es um gottgefälliges Fasten geht, glaube ich nicht, dass meine Aufgabe darin besteht mich während dieser Fastenzeit extrem für andere zu verausgaben. Sowohl Jesus als auch Mose, wenn ich das recht im Kopf habe, waren in der Wüste als sie fasteten. Sie zogen sich bewusst zurück. Denn dieses ganze soziale birgt natürlich auch immer die Gefahr der Ablenkung. Das klingt jetzt hart, aber Bekanntschaften, wo ich jetzt in dieser Zeit nicht zwingend eine Aufgabe drin sehe, sondern die eher meinem persönlichen Zeitvertreib dienen, werde ich gerade etwas schleifen lassen. Da mein Herz ja ganz stark für Evangelisation schlägt, werde ich mich wohl stark auf meine nichtchristlichen Kontakte konzentrieren,  denn hier ist durch das Fasten natürlich automatisch gegeben, dass man auch mal über Gott ins Gespräch kommt:) Dennoch werde ich grundsätzlich versuchen viel Zeit mit Gott verbringen zu können, soweit das mit meinen drei Kindern eben möglich ist.
Ich bin gespannt!

Danke Vater für einen weiteren Tag, einen Tag ganz anders als im Kloster, aber trotzdem schön,  wenn auch anstrengend. Und danke,  dass du das trägst,  denn für mich allein wäre es wohl nicht zu schaffen! AMEN

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