Freitag, 6. April 2018

Bibel lesen durch die Brille des Gesetzes oder mit den Augen der Gnade

Manchmal frag ich mich, wie soviel Schundluder mit der Bibel getrieben werden konnte und wahrscheinlich auch immer noch getrieben wird.
Jedoch haben die Ereignisse der jüngsten Zeit mir gezeigt, wie leicht man sich bei der Interpretation von Bibelversen verzetteln kann.
Heute morgen hat mir Gott diesbezüglich etwas sehr Interessantes gezeigt.
Es ging dabei um folgenden Bibelvers:
(Die Rede ist von Jesus)
'Er wird nicht streiten noch schreien, noch wird jemand seine Stimme auf den Straßen hören;"
Jesaja 42 zitiert in Matthäus 12,19

An diesem Vers hat mir Gott eindrucksvoll gezeigt, was es heißt im Geist zu lesen oder durch mich selbst.
Erst interpretierte ich diesen Satz so:
Ich SOLL, weil ich Jesus ja nachfolge, nicht streiten und auch nicht schreien.
Das ist prinzipiell natürlich richtig.
Aber dann fiel mir auf,dass ich noch nicht dafür gebetet hatte, dass der heilige Geist mir die Schrift auslegt, also holte ich das schnell noch nach und plötzlich las ich den Vers ganz anders:
Jesus streitet nicht mit mir und er schreit mich auch nicht an. Er ist sanftmütig zu mir - und deshalb kann ich es dann auch sein.
Der Unterschied ist gravierend. Es ist quasi der Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Bund. Im alten Bund musste ich etwas tun und mir Gottes Gnade erarbeiten. Im neuen Bund befähigt mich Gottes mir bereits gewährte und geschenkte Gnade die Dinge zu tun. Die Grundlage ist also nicht Angst, wie im alten Bund, sondern Gnade.
Mir war das beim lesen gar nicht so aufgefallen. Für mich war es okay, dass Gott mich während des Bibellesens "korrigierte".
Aber so, wie ich es las, war es kein korrigieren. Ich SOLL... Das hat natürlich auch immer etwas von MÜSSEN. Aber Tatsache ist doch: MÜSSEN funktioniert nicht. Sobald wir etwas müssen oder etwas nicht dürfen, strebt unsere Natur dagegen - das ist die Sklaverei des Gesetzes. Daraus hat Jesus uns befreit. Im neuen Bund gibt es kein MÜSSEN, kein NICHT DÜRFEN:

Alles ist erlaubt, aber nicht alles ist nützlich; alles ist erlaubt, aber nicht alles erbaut.
1. Korinther 10:23 ELB

Im neuen Bund sind wir frei. Zur Freiheit waren wir von Anfang an berufen.
Das bringt mich zu einem weiteren Punkt:
Ich persönlich tappe immer wieder in die Falle, dass ich glaube für Gott Dinge tun zu müssen. Dass ich ihm in irgendeiner Weise dienen müsste.
Was ich dabei absolut vergesse:
Ich kann nicht Gottes Dienerin sein. In was sollte ich Gott dienen?! Nein, Gott dient mir, aber nicht als eine Art Sklave, sondern eben wie Jesus es getan hat: aus freien Stücken, in Liebe. Ich bin nur Empfängerin.
ABER wenn ich empfangen habe, befähigt mich das den Menschen zu dienen - das ist der "Dienst", den ich für Gott tue. Aber eigentlich ist das kein Dienst, es ist ein überfließen von Gnade.
Ich MUSS nicht nur nichts für Gott tun, ich KANN es auch gar nicht. Christus selbst ist Anfänger und Vollender des Glaubens. (Hebräer 12,2) Der Vater selbst hat mich gezogen (Johannes 6,44) und nun kann ich in guten Werken wandeln, weil Gott alles vorbereitet hat (Epheser 2,10), aber aus mir selbst heraus könnte ich nichts.
Paulus sagt im Römerbrief Kapitel 3, Vers 27 - einer meiner Lieblingsverse:
Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist AUSGESCHLOSSEN!

Es ist ausgeschlossen. Es gibt nichts, dessen ich mich rühmen könnte. Alles wirkt Christus in mir und durch mich, ich tue nichts aus meiner eigenen Kraft. Immer, wenn ich das versuche, richte ich tatsächlich mehr Schaden an, als dass es irgendwem etwas nützt.
Diese "Erkenntnis" ist für mich echt phänomenal: Ich MUSS nicht an mir arbeiten. Gott tut es. Das Wort Gottes verdammt mich nicht, es verurteilt mich nicht. Das ist nicht Gott. Es gibt KEINE Verdammnis für die, die in Christus sind.
Wie lange ich mich schon frage, warum ich bspw. mit meinen Kindern, obwohl ich doch schon seit 5 Jahren Christ bin, so ungeduldig bin und sie anschreie und teilweise echt unfair bin. Wie lange ich schon versuche mich dort zu bessern, weil ich doch jetzt den heiligen Geist habe ...und jetzt denke ich mir:
Ist doch klar. Ich dachte, ich hab den heiligen Geist, jetzt kann ich die Sünde erkennen und sie MIT SEINER HILFE besiegen, ABER so ist es nicht. Solange ich es selber versuche, wenn auch mit seiner Hilfe (was immer das bedeuten mag?!), wird es mir nicht gelingen, denn solange ich soviel Anteil daran habe, dass ich mich selber rühmen kann, ist es nicht Gottes Kraft durch die ich agiere.
Was ich tun muss, ist: Aufgeben. Oder um Jesu' Worte zu benutzen: Mich selbst verleugnen. Wenn ich endlich anerkenne, dass ich absolut unfähig bin meine Ungeduld in den Griff zu bekommen und dass nur Gott allein es kann, dann wird es sich verändern. Wenn nicht mehr ich lebe, sondern Christus in mir!;) (Galater 2,20).
Wenn ich also, um Mal zum Ausgangspunkt zurückzukehren, nicht Anweisungen im Wort Gottes lese, sondern Zusagen und Ermutigungen und diese für mich annehme, dann lese ich nicht mehr durch die Brille des Gesetzes, sondern mit den Augen der Gnade. Und Gnade allein vermag Herzen zu verändern, Gesetze und Verbote können das nicht!
Ich will nicht sagen, dass ich bisher immer falsch Bibel gelesen habe, aber dennoch war das eine wichtige Erkenntnis für mich, die ich sehr gerne teile. Getreu dem "Motto":
Was ich euch im Finstern sage, das redet im Licht, und was ihr ins Ohr hört, das verkündigt auf den Dächern!
Matthäus 10:27

Vater, ich danke Dir für deine überfließende Gnade und ich danke dir, dass du mir aufgeschlossen hast, dass ich bisher oft falsch gelesen habe. Dass ich mich auf meinen Verstand verlassen habe, statt auf dich zu schauen und zu vertrauen auf deine Gnade, die immer ZUERST GIBT!
Amen

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