Mittwoch, 18. April 2018

Du sollst nicht ehebrechen! Gnade vs. Gesetz


Ich bin ja grad dabei, Gottes Gnade nochmal neu und auch tiefer zu begreifen. Auch, was die Vermischung der Gnade mit Gesetz anrichten kann. Daher heute das Thema: Ehebruch.

Jesus aber ging an den Ölberg. Und frühmorgens kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm; und er setzte sich und lehrte sie. Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten ein Weib zu ihm, im Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte dar und sprachen zu ihm: Meister, dies Weib ist ergriffen auf frischer Tat im Ehebruch. Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche zu steinigen; was sagst du? Das sprachen sie aber, ihn zu versuchen, auf daß sie eine Sache wider ihn hätten. Aber Jesus bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie nun anhielten, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Und bückte sich wieder nieder und schrieb auf die Erde. Da sie aber das hörten, gingen sie hinaus (von ihrem Gewissen überführt), einer nach dem andern, von den Ältesten bis zu den Geringsten; und Jesus ward gelassen allein und das Weib in der Mitte stehend. Jesus aber richtete sich auf; und da er niemand sah denn das Weib, sprach er zu ihr: Weib, wo sind sie, deine Verkläger? Hat dich niemand verdammt? Sie aber sprach: HERR, niemand. Jesus aber sprach: So verdamme ich dich auch nicht; gehe hin und sündige hinfort nicht mehr!
Johannes 8:1‭-‬11 DELUT

Jesus kam zu Sündern NIE um sie zu verurteilen, sondern immer um sie frei zu machen.
Auch ich habe das so erlebt und finde es daher um so erstaunlicher, dass ich Gottes Gnade nicht schon eher wirklich konsequent ernst genommen habe.
Ich erzählte bereits mal kurz, dass Kind Nr.4 eine echte Ehekrise bei uns ausgelöst hat.
Heute möchte ich das mal etwas detaillierter erzählen.
Vorab: Wer das liest und denkt: "Was für ein blöder Typ ihr Mann doch ist...", der hat definitiv die Botschaft dieses Posts nicht verstanden! Es geht mir nicht darum meinen Mann schlecht zu machen! Ich liebe meinen Mann sehr! Er ist wirklich großartig, dennoch stößt er, wie jeder, auch an die Grenzen dessen, was für ihn noch zu tragen ist. Er macht sich Sorgen oder ist wütend, wie jeder andere Mensch auch. Und noch dazu hat er leider Jesus noch nicht als denjenigen erkannt, der all die Last, die er im Leben so zu tragen hat, gern von seinen Schultern nehmen möchte!

Es war also so, dass ich ungeplant mit Kind Nr.4 schwanger war und der Tag, an dem mein Mann das erfuhr, änderte unsere Beziehung für die nächsten Monate grundlegend. Es war sowieso so, dass wir gerade ein bisschen nebeinander her lebten und eigentlich dringend mal etwas Zeit für uns gebraucht hätten. In den zwei Wochen, wo ich vermutete schwanger zu sein, es aber noch nicht wusste, war der Gedanke, dass Gott ja auch klar war, dass wir das jetzt eigentlich nicht gebrauchen können, auch der, der mich zuversichtlich ausschließen ließ, dass ich schwanger war.
Nunja: offensichtlich hatte ich mich geirrt, Gott wusste von unseren "Problemen" und mutete uns trotzdem ein weiteres "Geschenk" (wie er es selber bezeichnet;)) zu.
In den zwei Stunden, wo Ich wusste, dass ich schwanger bin und mein Mann nicht, da freute ich mich sogar ein bisschen.
Doch dann sagte ich es ihm und sein Geischtsausdruck zerschmetterte jegliche Freude in mir.
Die nächsten Tage redete er so gut wie kein Wort mit mir und würdigte mich auch keines Blickes.
Ich konnte das zu diesem Zeitpunkt noch relativ gut aushalten, weil ich dachte, es legt sich nach ein paar Tagen wieder.
Tatsächlich kamen wir ein paar Tage später Mal kurz ins Gespräch, die Quintessenz war aber nur, dass mein Mann die Vermutung hatte, ich hätte ihm Kind Nr. 4 mit Absicht unter geschoben - er hatte sich in Bezug auf die "Sicherheit" auf mich verlassen und ich hatte mich dummerweise einfach vertan! Das Ignorieren ging also weiter.
Auch nach ein paar Wochen hatte es sich noch immer nicht gelegt. Hinzu kam, dass es mir schwangerschaftsbedingt wirklich schlecht ging. Ich war müde und kraftlos und mir war von morgens bis abends und sogar in der Nacht kotzübel.
Ich war also emotional und physisch gerade echt am Ende. Zu der Traurigkeit darüber, das mein Mann so enttäuscht von mir war, kam allerdings langsam auch eine Wut darüber, dass er diese Lüge solange glauben wollte. Ich war echt frustriert, dass er mir einfach nicht glauben wollte, dass auch ich Kind Nr.4 nicht im Sinn gehabt hatte (Wenngleich es mir wesentlich leichter fiel, diesen Umstand anzunehmen, da ich Gott da einfach vertraute;)) und dass er mir, obwohl ich doch angeblich seine "Vertraute" bin, an dieser Stelle kein bisschen Vertrauen entgegen bringen wollte.
Soviel zur Vorgeschichte. Nun zum eigentlichen Thema:
Ich hatte zu dem Zeitpunkt echt die Nase voll! Ich dachte, wenn er gehen will, dann soll er es tun. Besser, als das auszuhalten. Mehr als einmal war ich kurz davor ihm diesen Vorschlag auch verbal zu machen.
Hätte in dieser Situation noch jemand zu mir gesagt "Du musst aber an eurer Ehe festhalten. Gott will das. Du darfst ihn nicht rausschmeißen. Du musst das aushalten. Du kennst doch die Zehn Gebote. Ehebruch ist Sünde." oder ähnliches, der Druck, der auf mir gelastet hätte, hätte mich einfach zerbrochen und genau das Gegenteil bewirkt! Denn das tut das Gesetz: Es reizt das Fleisch zur Begierde. Es bringt nicht Leben hervor, sondern Tod.
Was aber tat Jesus in dieser Situation?
Er zog mich ins Gebet. Täglich! Und ich klagte ihm jede Gemeinheit, jedes körperliche Unwohlsein, jede Wut, jeden Gedanken daran, meinen Mann rauszuschmeißen, weil ich neben der Schwangerschaft und den 4 Kindern nicht noch seine Befindlichkeiten auffangen konnte... Und nachdem ich also alles losgeworden war bei Jesus, richtete er mich täglich wieder auf, indem er mir sagte:
"Du bist nicht wertlos, nur weil dein Mann deinen Wert gerade nicht erkennt. Ich bin für dich am Kreuz gestorben - Für DICH! Weil Du es mir wert warst! Du bist wertvoll für mich, egal was dein Mann oder die Welt über deinen Wert sagt. Niemand kann wegnehmen, was ich getan habe, weil ich DICH zu mir zurückziehen wollte. Weil Du mir einfach ALLES wert bist."
Ich "kroch" tagtäglich in meine kleine Gebetskammer  und kam aufrecht und strahlend wieder aus ihr heraus. Ich brauchte diese Zusage von Jesus jeden Tag und jeden Tag baute sie ein Stück mehr in mir auf - ETWAS, dass das Gesetz nie gekonnt hätte.
Nach einigen Tagen fing ich an, meine Ehe komplett in Jesu Hände zu legen. Ich sagte ihm, ich könne hier nichts retten, aber ich vertraue darauf, dass er es tut.
Irgendwann war ich so erbaut, dass ich sogar anfing meinen Mann zu segnen. Dass ich ihn nicht mehr mit wütenden Blicken anschaute, sondern mit liebenden, weil ich einfach seinen Mangel erkannte: Sein Mangel an Vertrauen. Aber wem sollte er auch vertrauen, wenn er Jesus nicht hatte?
Wer sollte ihm zusichern, dass er auch als Vater von 4 Kindern nicht überfordert sein würde? Dass es uns auch mit 4 Kindern nicht in den finanziellen Ruin stürzen würde? Dass wir auch mit 4 Kindern es noch schaffen würden, eine Partnerschaft zu führen und nicht nur Eltern zu sein?
All diese Sorgen erdrückten ihn und mich nicht. Klar, dass das seinen Verdacht, ich hätte ihn mit Absicht getäuscht nur verstärkte.
Aber Gott ist gut. Er ist so gut. Sein Sohn ist nicht nur für meine Sünden gestorben. Sondern auch für die meines Mannes, obgleich er dies noch nicht erkannt hat.
Gott ist gnädig. JEDEM gegenüber! Nicht nur Christen!
Also baute er auch meinen Mann auf. Beruhigte ihn. Schenkte ihm wieder Zuversicht. Und Vertrauen. 
Und nach etwa 3 Monaten war er in der Lage darüber zu sprechen, was der Hintergrund seiner Wut war. Und dass er dort nicht rauskam. Dass es Zeit brauchte. Und dass er mir ja glauben wollte, aber nicht konnte, weil sein Vertrauen erschüttert war.
Und nach weiteren 3 Monaten, die ich trotzdem auch brauchte, um mein Herz wieder für Verletzungen zu öffnen (anders kann man das wirklich nicht ausdrücken...), waren wir tiefer miteinander verbunden als zuvor. Und als Kind Nr.4 dann da war und mein Mann 7 (!) Monate Elternzeit machte, da flossen Ströme lebendigen Wassers in unserer Familie. Diese 7 Monate sind eine Zeit, die ich nicht vergessen werde. Sie haben soviel in unserer Familie verändert. Sie hat uns so sehr zueinander gebracht, alle miteinander und wir konnten noch sehr lange von dieser entspannten Zeit zehren.
Jedoch hat all diesen Segen Gottes Gnade und nicht das Gesetz vollbracht.

Ich hab mir nicht vorgenommen "Ich bin Christ. Ich darf nicht die Ehe brechen." und hab dann jeden Tag versucht, "mein Kreuz auf mich  zu nehmen" mein Gefühle zu unterdrücken und mich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Im Gegenteil! Ich habe mein Gefühle sehr ernst genommen und sie Jesus jeden Tag hingelegt.
Jesus hat mich einfach täglich dazu angehalten auf ihn zu schauen und nicht auf all die erdrückenden Umstände und Gefühle.
Es ging nicht um Selbstverleugnung im Sinne von Verleugnung meiner eigenen Bedürfnisse, denn die habe ich ja nunmal. Es ging darum, wem ich aufbürdete sie zu stillen. Erwartete ich von meinem Mann, dass er mich wertschätzend behandelt, damit ich weiß, was ich wert bin? Oder ließ ich mir meinen Wert zusprechen von dem, der für mich gestorben ist?

Christstein heißt nicht sich an Regeln halten! Auch nicht mit Hilfe des heiligen Geistes.
Gott hat uns nicht seinen Geist gegeben, damit wir uns jetzt besser an sein Gesetz halten können. Er hat nicht den Weg zwischen sich und uns durch Jesus frei gemacht, damit wir jetzt zu ihm herüber balancieren können - immer in der Gefahr einen Schritt daneben zu setzen.
Gott hat den Vorhang zum Allerheiligsten niedergerissen, damit wir einfach so vor seinen Thron kommen können. So wie wir sind. Mit allen schlechten Gedanken, aller Wut, aller Trauer, natürlich auch aller Freude und von seinem Thron fließen Ströme lebendigen Wassers: Da fließt Vergebung - permanent!, da fließt Tröstung, da fließt bedingungslose Annahme, da fließt Liebe. Im Überfluss. Da fließt Kraft!
Nachdem Jesus, das Lamm Gottes, die Sünde der Welt WEGGENOMMEN HAT -das heißt, sie ist nicht mehr da!!!- gibt es keine Regeln mehr, deren Einhaltung es uns ermöglicht, in Ehrfurcht vor diesen heiligen Gott zu treten, wir dürfen direkt mit all unserem Dreck passieren und uns auf seinen Schoss setzen - und feststellen,dass wir gar nicht dreckig sind, weil Jesus uns auf dem Weg seine Klamotten angezogen hat und wir habens vielleicht gar nicht gemerkt;).
Das ist mein Gott. Das ist mein Jesus.
Unglaublich, dass ich das auch nur für eine Sekunde vergessen konnte. Aber ich danke Gott über alle Maßen, dass er mich daran erinnert hat. Dass NICHT ICH mir meine dreckigen Sachen ausziehe, sondern Jesus das getan hat. Und dass ich nackt vor ihm stehen kann ohne mich nackt zu fühlen! Gottes Liebe ist so überwältigend, sie ist nicht in Worte zu fassen.

Und wenn Du ihn nicht kennst, dann bete ich in Jesu Namen, dass Du ihn kennenlernst. Dass er sich Dir offenbart, wie er sich mir offenbart hat, weil er einfach so wunderbar ist! Ich bete, dass jedes falsche Bild, das Du von ihm in deinem Kopf hast, verschwindet und er es durch die Wahrheit ersetzt!
Die Wahrheit ist: Er liebt Dich! Er will sooooooo sehr mit dir in Beziehung sein! Er hat seinen Sohn gegeben um Dich zu haben! Damit Du ihm nicht verloren gehst! Denn er hat dich geschaffen, aber Du wurdest ihm geraubt. Doch er gibt nicht kampflos auf, er kämpft um Dein Herz! Und ich selbst kann sagen: Gib es ihm. Es ist bei ihm sicher!
Danke, geliebter Vater!
Amen

PS: Denn dieser Post ist ja noch nicht lang genug;) Hätte ich aufgegeben, hätte ich es nicht ausgehalten und meinen Mann doch rausgeschmissen, wäre Gottes Gnade für mich umso größer! Ich hätte mich nicht vor ihm als Versager fühlen müssen. Er hätte das über mich auch nie gedacht. Er hätte mich genauso getröstet und mir genauso Freude über meine Familie geschenkt, als das Baby da war. Es geht Gott um mich, nicht um seine Gebote. Er rettete meine Ehe für mich, nicht weil Christen nicht die Ehe brechen. Nicht, weil er mich als Ehebrecherin nicht segnen könnte. Sondern weil die Ehe an sich schon ein großer Segen ist, den er mir offenbaren wollte:)

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